Der Kunde verlangt eine CO2-Bilanz: was Lieferanten jetzt wirklich liefern müssen
Wenn ein Kunde eine CO2-Bilanz verlangt, steht das selten im Gesetz, das für Sie gilt. Es steht im Gesetz, das für ihn gilt. Berichtspflichtige Konzerne müssen über ihre Lieferkette berichten und reichen die Datenanforderung nach unten durch. Die Pflicht kommt per Fragebogen, nicht per Amtsblatt.
Verlangt ein Kunde eine CO2-Bilanz, steckt dahinter meist dessen eigene Berichtspflicht: Konzerne müssen Lieferkettenemissionen (Scope 3) ausweisen und fragen die Daten bei Lieferanten ab. Für die Erstantwort genügt in der Regel eine Unternehmensbilanz für Scope 1 und 2 — Jahresverbräuche an Strom, Gas und Kraftstoffen, multipliziert mit öffentlichen Emissionsfaktoren, etwa vom Umweltbundesamt. Wichtig sind dokumentierte Quellen und Methoden, damit die Zahlen im Folgejahr reproduzierbar sind. Eine Bilanz pro Jahr und Standort deckt alle Kundenfragebögen ab.
Warum die Anfrage kommt, obwohl Sie nicht berichtspflichtig sind
Große Unternehmen müssen in ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung auch vorgelagerte Emissionen ausweisen — die sogenannten Scope-3-Emissionen, zu denen eingekaufte Waren und Dienstleistungen gehören. Diese Zahlen haben sie nicht selbst, also fragen sie ihre Lieferanten. Ob Sie selbst unter eine Berichtspflicht fallen, ist für die Anfrage unerheblich. Der Hebel des Kunden ist nicht das Gesetz, sondern die nächste Auftragsvergabe.
Was Konzerne tatsächlich abfragen
In der Praxis sind es drei Stufen. Stufe eins: ein Fragebogen mit Ja-Nein-Fragen — gibt es eine Klimastrategie, eine CO2-Bilanz, Reduktionsziele. Stufe zwei: konkrete Zahlen zu Scope 1 und 2, also eigene Verbrennung und eingekaufte Energie. Stufe drei, seltener: produktbezogene Emissionswerte je gelieferter Einheit. Die meisten Erstanfragen bleiben auf Stufe eins und zwei. Wer dort belastbar antwortet, kauft sich Zeit für den Rest.
Der pragmatische Einstieg: Scope 1 und 2 zuerst
Eine erste Unternehmensbilanz für Scope 1 und 2 ist kein Forschungsprojekt. Sie brauchen die Jahresverbräuche an Strom, Gas, Heizöl und Kraftstoffen — die stehen auf Rechnungen, die Ihre Buchhaltung ohnehin hat — und öffentlich verfügbare Emissionsfaktoren, etwa vom Umweltbundesamt. Für einen Standort mit geordneter Ablage ist das in wenigen Tagen erledigt, nicht in Monaten. Die Genauigkeit muss für eine Erstantwort nicht perfekt sein; sie muss nachvollziehbar sein.
Zwei Fehler kosten später am meisten. Erstens: Zahlen schätzen, ohne die Methode zu notieren — beim zweiten Fragebogen ein Jahr später ist die Abweichung zur ersten Zahl nicht mehr erklärbar. Zweitens: für jeden Kunden eine eigene Rechnung aufmachen. Es gibt eine Bilanz pro Jahr und Standort; die Fragebögen der Kunden sind unterschiedliche Ansichten derselben Daten. Und weil auf Stufe eins verlässlich Stufe zwei und drei folgen, lohnt es sich, Verbräuche, Faktoren und Quellen von Anfang an so abzulegen, dass die nächste Anfrage einen Tag kostet statt drei Wochen.
Häufige Fragen
Muss ich als Zulieferer überhaupt eine CO2-Bilanz erstellen?
Eine gesetzliche Pflicht trifft die meisten Mittelständler derzeit nicht direkt. Praktisch entsteht die Pflicht über die Lieferkette: Berichtspflichtige Kunden brauchen Ihre Daten für ihre eigenen Berichte und machen die Antwort zunehmend zur Bedingung für Aufträge. Die relevante Frage ist deshalb nicht die Rechtslage, sondern das Gewicht des Kunden.
Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?
Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Quellen, etwa Gasheizung, Öfen und Firmenfahrzeuge. Scope 2 sind Emissionen aus eingekaufter Energie, vor allem Strom und Fernwärme. Scope 3 umfasst vor- und nachgelagerte Emissionen der Wertschöpfungskette — eingekaufte Waren, Transporte, Produktnutzung. Kunden fragen bei Lieferanten zuerst Scope 1 und 2 ab.
Reicht eine grobe Schätzung für die erste Kundenantwort?
Für viele Erstanfragen ja, wenn die Methode offengelegt wird. Entscheidend ist, dass Verbräuche, Emissionsfaktoren und Annahmen dokumentiert sind, damit die Zahl im nächsten Jahr reproduzierbar und eine Abweichung erklärbar ist. Eine undokumentierte Schätzung fällt spätestens beim zweiten Fragebogen auf.
Woher bekomme ich Emissionsfaktoren?
Aus öffentlichen Quellen: Das Umweltbundesamt veröffentlicht Faktoren für Strom und Brennstoffe, das britische Umweltministerium (DEFRA) einen jährlich aktualisierten Gesamtkatalog, die Datenbank des GHG Protocol verweist auf weitere Sammlungen. Für eine Erstbilanz genügen diese Standardfaktoren; produktspezifische Faktoren werden erst auf höheren Stufen relevant.
Wie viel Aufwand steckt in Ihrer ersten CO2-Bilanz?
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