ESG

CSRD-Aufwand im Mittelstand: warum die Datenbeschaffung teurer ist als das Schreiben

Wer den CSRD-Aufwand am fertigen Bericht anderer misst, unterschätzt ihn systematisch. Das Dokument ist das Ende einer Kette, und die teuren Glieder liegen davor: Daten finden, Daten erheben, Daten belegbar machen — quer durch Bereiche, die nie füreinander berichtet haben. Das Schreiben selbst ist, wenn die Daten stehen, der überschaubarste Teil.

Schnellantwort

Der CSRD-Aufwand steckt überwiegend in der Datenbeschaffung, nicht im Schreiben: In Erstberichtsprojekten entfällt deutlich mehr als die Hälfte der Arbeit auf das Finden, Erheben und Absichern von Daten. Am teuersten sind Scope-3-Emissionen, aufgerissene Belegschaftskennzahlen und standortweise Umweltdaten wie Wasser und Abfall. Die Omnibus-Vereinfachungen der EU machen Schwellen und Zeitpunkte derzeit unsicher — die Nachfrage nach den Kennzahlen durch Kunden und Banken besteht davon unabhängig. Weil eine belastbare Datenbasis ein volles Erhebungsjahr braucht, lohnt der frühe Aufbau der Datenbeschaffung trotz offener Rechtslage.

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Die Aufwandsverteilung, die niemand erwartet

Wer zum ersten Mal berichtet, verbringt den größten Teil der Zeit nicht mit Formulieren, sondern mit Fragen wie: Wo steht unser Wasserverbrauch? Gibt es Unfallzahlen auch für die Leiharbeiter? Wie viele Tonnen welchen Abfalls haben die Standorte entsorgt, und wer hat die Wiegescheine? Als grobe Orientierung aus Erstberichtsprojekten: deutlich mehr als die Hälfte des Aufwands ist Datenbeschaffung und -absicherung, der Rest verteilt sich auf Wesentlichkeitsanalyse, Abstimmung und Text.

Die drei teuersten Datenpunktfamilien

Erstens Scope-3-Emissionen: Sie stecken in Einkaufsdaten, Logistikketten und Produktnutzung — also in Daten, die teils gar nicht im Haus liegen, sondern bei Lieferanten und Kunden erfragt oder modelliert werden müssen. Zweitens Kennzahlen zur Belegschaft über das Standardreporting hinaus, etwa nach Beschäftigungsart und Standort aufgerissen, inklusive Fremdpersonal — das HR-System gibt das selten ohne Handarbeit her. Drittens alles, was je Standort erhoben werden muss, obwohl es zentral nie erfasst wurde: Wasser, Abfall, teilweise Energie. Diese drei Familien haben die längste Vorlaufzeit — bei ihnen lohnt der früheste Start.

Der Bericht ist das Ende einer Kette. Die teuren Glieder liegen davor — in Daten, die nie jemand für einen Bericht erhoben hat.

Omnibus-Unsicherheit — und warum früh anfangen trotzdem richtig ist

Zur Einordnung: Die EU hat mit dem sogenannten Omnibus-Verfahren Vereinfachungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf den Weg gebracht — im Gespräch sind unter anderem höhere Schwellenwerte für die Berichtspflicht, verschobene Anwendungszeitpunkte und schlankere Berichtsstandards. Wie die Regeln am Ende genau aussehen und ab wann sie für welche Unternehmensgröße gelten, ist bei Redaktionsstand nicht abschließend geklärt. Verlassen Sie sich hier nicht auf Sekundärquellen mit festen Jahreszahlen, sondern prüfen Sie den aktuellen Stand, bevor Sie Termine ins Management berichten.

Die Unsicherheit betrifft allerdings nur das Ob und Wann der formalen Pflicht — nicht die Nachfrage nach den Daten. Kundenfragebögen, Banken-Ratings und Ausschreibungen fragen dieselben Kennzahlen längst ab, und eine belastbare Datenbasis braucht mindestens ein volles Erhebungsjahr Vorlauf. Der pragmatische Fahrplan: Wesentlichkeit grob klären, je Thema die Datenpunkte mit Quelle, Zuständigem und Erhebungsweg listen — die Lückenliste ist das eigentliche Arbeitsprogramm —, die drei teuren Familien zuerst angehen und ein internes Probejahr fahren, das die Prozesslücken aufdeckt, solange sie noch nichts kosten. Die Berichtstiefe lässt sich später an die finale Regulierung anpassen; das Erhebungsjahr lässt sich nicht nachholen.

Die Unsicherheit betrifft das Ob und Wann der Pflicht — nicht die Nachfrage nach den Daten. Die fragen Kunden und Banken längst ab.

Häufige Fragen

Wie viel Aufwand verursacht ein CSRD-Bericht im Mittelstand?

Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht, aber eine belastbare Struktur: Der Großteil des Aufwands — in Erstberichtsprojekten deutlich über die Hälfte — entfällt auf Datenbeschaffung und -absicherung, nicht auf das Schreiben. Treiber sind Standortzahl, Fertigungstiefe und der Zustand der vorhandenen Datenhaltung. Das erste Berichtsjahr ist mit Abstand das teuerste.

Welche CSRD-Datenpunkte sind am schwersten zu beschaffen?

Drei Familien stechen heraus: Scope-3-Emissionen, weil die Daten teils bei Lieferanten und Kunden liegen; Belegschaftskennzahlen jenseits des Standard-HR-Reportings, etwa inklusive Fremdpersonal und je Standort; und standortweise Umweltdaten wie Wasser und Abfall, die zentral oft nie erfasst wurden. Alle drei brauchen die längste Vorlaufzeit.

Was bedeutet das Omnibus-Verfahren für die CSRD-Pflicht?

Die EU hat Vereinfachungen angestoßen — diskutiert werden höhere Schwellenwerte, spätere Anwendungszeitpunkte und schlankere Standards. Der endgültige Stand war bei Redaktionsschluss nicht abschließend fixiert. Prüfen Sie vor Terminzusagen ans Management den aktuellen Rechtsstand, statt sich auf zusammengefasste Jahreszahlen aus Sekundärquellen zu verlassen.

Lohnt es sich, vor der endgültigen Rechtsklarheit mit CSRD anzufangen?

Für die Datenbeschaffung ja, für die Berichtsform nein. Kundenfragebögen und Bankenratings fragen die Kennzahlen unabhängig vom Gesetz ab, und eine belastbare Datenbasis braucht mindestens ein volles Erhebungsjahr Vorlauf. Sinnvoll ist, jetzt Quellen, Zuständige und Erhebungswege aufzubauen und die Berichtstiefe später an die finale Regulierung anzupassen.

Was würde der Erstbericht Sie kosten?

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