Datenmigration aus dem Altsystem: warum die Qualität erst im Zielsystem auffällt
Datenmigrationen scheitern selten am Transport. Sie scheitern daran, dass das Altsystem Zustände zugelassen hat, die im neuen fachlich unmöglich sind — und dass niemand vorher gezählt hat, wie viele davon es gibt.
Datenmigrationen scheitern selten am Transport, sondern an Zuständen, die das Altsystem zugelassen hat und das Zielsystem nicht. Vier Problemklassen: fehlende Pflichtangaben, ungültige Werte und Verweise, Dubletten und fachliche Widersprüche. Die Reihenfolge lautet zählen, fachlich entscheiden, dann migrieren. Nicht mehr benötigte Bestände werden archiviert statt migriert. Die Abnahme trägt nur mit vorab festgelegten Abgleichskennzahlen auf beiden Seiten.
Woher die Abweichungen kommen
Aus der Zeit. Ein System, das dreißig Jahre läuft, hat mehrere Fachkonzepte überlebt. Felder wurden umgewidmet, Wertebereiche erweitert, Pflichtfelder nachträglich eingeführt — und die Altbestände wurden nicht angepasst, weil das damals zu teuer war. Was übrig bleibt, sind Datensätze aus verschiedenen Epochen, die alle im selben Bestand liegen.
Die vier Klassen von Problemen
Erstens fehlende Pflichtangaben: Felder, die heute verpflichtend sind und es 1998 nicht waren. Zweitens ungültige Werte: Schlüssel, die auf nichts mehr verweisen, Datumsangaben wie 01.01.1900 als Ersatz für „unbekannt". Drittens Dubletten, die nur der Mensch als solche erkennt. Viertens fachliche Widersprüche: ein beendeter Vertrag mit laufender Abbuchung, ein Vorgang ohne zugehörigen Kunden.
Die Reihenfolge, die Zeit spart
Zuerst zählen, dann entscheiden, dann migrieren. Eine Auswertung über den Altbestand gegen die Regeln des Zielsystems liefert eine Liste mit Anzahlen je Problemklasse. Erst mit dieser Liste lässt sich fachlich entscheiden — bereinigen, mit Standardwerten übernehmen, oder gar nicht übernehmen. Wer diese Entscheidung während der Migration trifft, trifft sie unter Zeitdruck und meist technisch statt fachlich.
Die Frage, die niemand gerne stellt
Welche Datensätze werden überhaupt gebraucht? In fast jedem Altbestand liegt ein erheblicher Teil an Vorgängen, die seit Jahren nicht mehr angefasst wurden und für den laufenden Betrieb keine Rolle spielen. Diese Daten müssen nicht migriert, sondern archiviert werden — mit Aufbewahrungsfrist und lesendem Zugriff. Das reduziert Migrationsaufwand, Testaufwand und Risiko gleichzeitig.
Der Abgleich, der die Abnahme trägt
Vor der Umstellung wird festgelegt, welche Kennzahlen im Alt- und im Neusystem übereinstimmen müssen: Anzahl aktiver Verträge, Summe offener Posten, Bestandswerte je Kategorie. Diese Zahlen werden auf beiden Seiten erzeugt und verglichen. Eine Migration ohne solchen Abgleich ist keine abgenommene Migration, sondern eine gehoffte.
Häufige Fragen
Wie findet man Datenqualitätsprobleme vor der Migration?
Indem man die Regeln des Zielsystems als Abfragen gegen den Altbestand formuliert und die Treffer zählt. Das Ergebnis ist eine Liste mit Anzahlen je Problemklasse, und erst diese Liste macht eine fachliche Entscheidung möglich. Der Aufwand liegt bei Tagen, nicht Wochen.
Sollte man Altdaten vor der Migration bereinigen?
Nur dort, wo sie fachlich gebraucht werden. Eine Bereinigung des gesamten Bestands ist meist unwirtschaftlich; sinnvoll ist die Trennung in aktive Daten, die bereinigt und migriert werden, und ruhende Daten, die archiviert werden.
Was gehört in ein Migrationsprotokoll?
Je Satz: Herkunft, angewandte Regel, Ergebnis und im Fehlerfall der Grund. Ohne dieses Protokoll ist nach der Umstellung nicht rekonstruierbar, warum ein Datensatz aussieht, wie er aussieht — und genau diese Frage kommt, sobald ein Fachbereich eine Abweichung findet.
Wie lange sollte der Parallelbetrieb nach einer Datenmigration laufen?
Mindestens über einen vollständigen fachlichen Zyklus, meist einen Monats- oder Quartalsabschluss. Erst dort zeigen sich Abweichungen in Summen und Auswertungen, die im Tagesgeschäft nicht auffallen.
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