Produktion

Werksleiter und KI: welche Kennzahl zuerst zählt

Im Werk gibt es keinen Mangel an Verbesserungsideen, sondern an Kapazität, sie zu verfolgen. Wer den ersten KI-Anwendungsfall wählt, wählt damit auch, woran der Erfolg gemessen wird. Diese Wahl entscheidet mehr als die Technik.

Schnellantwort

Vier Kennzahlen konkurrieren um den ersten Anwendungsfall. Stillstands- und Suchzeit sind in zwei bis vier Wochen belegbar und eignen sich deshalb für den Erstfall. Liefertreue ist die Zahl, die in der Geschäftsführung zählt, braucht aber zwei bis drei Monate; belegt sind hier plus zwölf Prozentpunkte und 78 Prozent weniger manuelle Plausibilisierung. Rüstzeit ist exakt, aber im Hebel begrenzt. Ausschuss hat hohen Wert, aber zu lange Nachweiszeiten für ein kurzes Pilotfenster. Zwei bis drei Datenquellen reichen für den Start, und neben der Kennzahl gehört die Nutzungshäufigkeit gemessen.

Titelbild zum Beitrag „Werksleiter und KI“, Rubrik ProduktionProduktion+12 %-Punkte

Vier Kennzahlen kommen im Werk regelmäßig in Frage. Sie unterscheiden sich nicht darin, wie wichtig sie sind, sondern darin, wie schnell sich eine Veränderung zeigt und wie eindeutig sie zuzuordnen ist. Für den ersten Fall zählt genau das.

Liefertreue: langsam, aber sichtbar bis nach oben

Die Liefertreue ist die Kennzahl, die in der Geschäftsführung ankommt. Sie reagiert träge, weil sie über Wochen gemittelt wird, und sie hängt von vielem ab, das nicht im Werk liegt. Als Nachweis taugt sie erst nach zwei bis drei Monaten.

Aus Projekten liegen hier plus zwölf Prozentpunkte und 78 Prozent weniger manuelle Plausibilisierung nach drei Monaten vor. Der Weg dahin ist beschrieben in Liefertreue systematisch steigern.

Stillstandszeit: schnell messbar, teuer je Stunde

Die dankbarste Zahl für den ersten Fall, weil sie sofort sichtbar ist und weil ihr Wert je Stunde meist schon berechnet wurde. Wer diesen Wert nicht kennt, findet den Weg in Stillstandskosten pro Stunde berechnen.

Datenquelle ist in der Regel das Instandhaltungs- oder Ticketsystem, ergänzt um Maschinendaten. Wichtig ist die Trennung zwischen Suchzeit und Reparaturzeit. Verkürzt wird durch Wissen fast immer nur die Suche, und genau diese Trennung macht den Nachweis sauber.

Rüstzeit: eindeutig zuzuordnen, aber begrenzt

Rüstzeiten sind exakt messbar und liegen meist schon im MES vor. Der Nachteil: Der Hebel ist auf die betroffenen Anlagen begrenzt, und die Verbesserung ist selten dramatisch. Als Zweitfall gut, als Erstfall zu klein, um ein Programm zu tragen.

Ausschuss: hoher Wert, langer Nachweis

Ausschuss kostet unmittelbar Material und Zeit, und die Zahl ist unstrittig. Der Nachweis dauert allerdings, weil Ausschuss selten gleichmäßig anfällt. Für einen Erstfall mit Zwei-Wochen-Fenster ist die Stichprobe zu klein.

Für den ersten Fall zählt nicht die wichtigste Kennzahl, sondern die am schnellsten eindeutige.

Die Wahl in einem Satz

Wer in vier Wochen einen Beleg braucht, nimmt die Stillstands- oder Suchzeit. Wer ein Quartal Zeit hat und die Geschäftsführung überzeugen muss, nimmt die Liefertreue. Beides gleichzeitig zu versprechen ist der Fehler, der Piloten in die Länge zieht.

Welche Datenquelle wirklich reicht

Für den ersten Fall genügen zwei bis drei Quellen: das System, in dem der Vorgang entsteht, das System, in dem das Wissen liegt, und die Zeiterfassung oder das Ticketsystem für die Vorher-Zahl. Alles weitere folgt, wenn die Zahl steht. Der Reflex, erst alle Bestände anzubinden, ist der teuerste Umweg.

Was eine Kennzahl nicht leistet

Sie sagt nichts darüber, ob die Leute das System benutzen. Eine verbesserte Zahl bei drei Nutzern ist keine Verbesserung des Werks. Nehmen Sie deshalb eine zweite, weiche Größe dazu: Anzahl der Fragen je Woche, verteilt auf Personen. Fällt sie nach vier Wochen, stimmt etwas mit dem Vertrauen in die Antworten nicht, und daran ändert keine Kennzahl etwas.

Eine verbesserte Zahl bei drei Nutzern ist keine Verbesserung des Werks.

Häufige Fragen

Können wir nicht mehrere Kennzahlen gleichzeitig verfolgen?

Messen ja, versprechen nein. Wer zwei Zusagen macht, verlängert das Pilotfenster auf die langsamere von beiden und riskiert, dass ein Teilerfolg als Misserfolg gilt. Eine Zusage, der Rest läuft als Beobachtung mit.

Wie trennen wir Suchzeit von Reparaturzeit sauber?

Über den Zeitstempel im Ticket: Annahme bis erste belastbare Diagnose ist Suche, danach ist Reparatur. Wo das System das nicht hergibt, reichen zwanzig Fälle mit Uhr und Notizzettel, um die Verteilung zu kennen.

Was, wenn unsere Vorher-Zahl schlecht dokumentiert ist?

Das ist der Normalfall und kein Hindernis. Zwanzig Fälle über zwei Wochen mit Datum, Dauer und Person ergeben eine belastbare Ausgangsbasis. Wichtiger als Genauigkeit ist, dass nachher mit derselben Methode gemessen wird.

Ab wann lohnt sich der Ausbau auf weitere Werke?

Wenn die Nachher-Zahl im ersten Werk steht und eine Person im Haus sie trägt. Vorher vervielfacht ein Rollout nur die offenen Fragen.

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