Produktion

Stillstandskosten pro Stunde berechnen: die Formel, die jeder Betrieb einmal rechnen sollte

Stillstandskosten pro Stunde berechnen — das klingt nach Controlling-Übung, ist aber eine der folgenreichsten Zahlen im Betrieb. Denn ohne sie werden Instandhaltungsbudget, Ersatzteillager und Modernisierungen gegen ein Bauchgefühl verhandelt. Mit ihr werden aus Glaubensfragen Rechenaufgaben. Die Formel passt auf einen Bierdeckel; die Sorgfalt steckt in den Eingangsgrößen.

Schnellantwort

Stillstandskosten pro Stunde = entgangener Deckungsbeitrag + weiterlaufende Personalkosten + anteilige Folgekosten (Umplanung, Zusatzrüsten, Expressfracht, Vertragsstrafen). Der Maschinenstundensatz ist die falsche Basis — er misst Betriebskosten, nicht entgangene Erträge. Der Deckungsbeitrag zählt voll nur am ausgelasteten Engpass; an Maschinen mit freier Kapazität wird nachgeholt. Beispielstruktur: 480 Euro Deckungsbeitrag + 90 Euro wartendes Personal + 150 Euro Folgekosten ergibt gut 700 Euro pro Stunde. Diese eine Zahl macht Instandhaltungsbudget, Ersatzteillager und Zustandsüberwachung von Glaubensfragen zu Rechenaufgaben.

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Die Formel

Stillstandskosten pro Stunde = entgangener Deckungsbeitrag pro Stunde + weiterlaufende Personalkosten pro Stunde + anteilige Folgekosten pro Stunde. Der dritte Summand wird über die typischen Folgekosten eines Ausfalls geschätzt und auf dessen Dauer umgelegt. Wichtig ist, was nicht in der Formel steht: der Maschinenstundensatz. Er bildet die Kosten des Betreibens ab — Abschreibung, Energie, Raum — und die fallen teilweise gerade nicht an, wenn die Maschine steht. Die Stillstandsrechnung fragt umgekehrt: Was geht verloren, weil sie steht?

Erster Summand: Deckungsbeitrag, nicht Umsatz

Maßgeblich ist der Deckungsbeitrag der Produkte, die in der Stunde gefertigt worden wären: Erlös minus variable Kosten wie Material — denn das Material wird bei Stillstand auch nicht verbraucht. Und die entscheidende Vorfrage: Ist die Maschine ein ausgelasteter Engpass? Nur dann ist die Stunde unwiederbringlich verloren. Steht eine Maschine mit freier Kapazität, wird nachgeholt, und der erste Summand schrumpft auf die Verschiebekosten. Deshalb gibt es nicht die eine Stillstandskostenzahl fürs Werk, sondern eine je Maschine — und die des Engpasses ist die, auf die es ankommt.

Der Maschinenstundensatz misst, was das Betreiben kostet. Die Stillstandsrechnung fragt das Gegenteil: Was geht verloren, wenn sie steht?

Zweiter und dritter Summand: Personal und Folgekosten

Personal: die Stundenkosten aller Mitarbeiter, die wegen des Stillstands warten oder mit Ersatztätigkeiten unterbeschäftigt sind — an verketteten Linien schnell mehrere Personen, nicht nur der Bediener. Folgekosten: Umplanungsaufwand, zusätzliche Rüstwechsel, Überstunden und Expressfracht zur Terminrettung, gegebenenfalls Vertragsstrafen. Wer hier keine Historie hat, nimmt den letzten größeren Ausfall als Referenz und rechnet dessen Folgeaufwand ehrlich zusammen — als Startwert ist das allemal besser als die Null, die sonst implizit in der Rechnung steht.

Ein Rechenbeispiel

Eine ausgelastete Engpassmaschine fertigt 80 Teile pro Stunde mit 6 Euro Deckungsbeitrag je Teil: 480 Euro. Zwei wartende Mitarbeiter à 45 Euro: 90 Euro. Folgekosten aus dem letzten Ausfall — ein Planertag, vier Zusatzrüstungen, zwei Expresssendungen, umgerechnet auf die Ausfalldauer: rund 150 Euro pro Stunde. Summe: gut 700 Euro pro Stunde, über 5.500 Euro je Schicht. Die Zahlen sind erfunden, die Struktur ist es nicht — und die eigene Rechnung dauert mit vorhandenen Daten kaum einen Nachmittag.

Warum diese Zahl Entscheidungen dreht

Solange Stillstand gefühlt „ein paar hundert Euro" kostet, verliert die Instandhaltung jede Budgetrunde. Mit einer belegten Stundenzahl drehen sich die Gespräche: Das Wartungswochenende für 4.000 Euro steht plötzlich gegen zwölf vermiedene Ausfallstunden. Das kritische Ersatzteil für 8.000 Euro gegen drei Wochen Beschaffungszeit. Die Zustandsüberwachung gegen die zwei Ausfälle, die sie pro Jahr ankündigen müsste, um sich zu tragen. Keine dieser Entscheidungen ist ohne die Stundenzahl seriös zu treffen — und jede von ihnen wird im Zweifel falsch getroffen, solange die Zahl fehlt.

Solange Stillstand gefühlt „ein paar hundert Euro" kostet, verliert die Instandhaltung jede Budgetrunde.

Häufige Fragen

Warum ist der Maschinenstundensatz die falsche Zahl für Stillstandskosten?

Weil er die Kosten des Betreibens abbildet — Abschreibung, Energie, Raum — und die stehen bei Stillstand teils gar nicht an. Stillstandskosten messen das Gegenteil: entgangene Deckungsbeiträge, wartendes Personal und Folgekosten. Wer mit dem Stundensatz rechnet, unterschätzt Engpassmaschinen und überschätzt Nebenmaschinen.

Wie berücksichtige ich, ob die Maschine ein Engpass ist?

Über die Frage, ob die verlorene Produktion nachholbar ist. Am ausgelasteten Engpass ist sie es nicht — jede Stunde kostet den vollen Deckungsbeitrag des Produktmixes. An Maschinen mit freier Kapazität wird nachgeholt, und es bleiben im Wesentlichen Umplanungs- und eventuelle Überstundenkosten. Deshalb braucht jede Maschine ihre eigene Zahl.

Woher nehme ich die Folgekosten, wenn wir sie nie erfasst haben?

Aus einer ehrlichen Nachkalkulation des letzten größeren Ausfalls: Planerstunden für die Umplanung, Zahl der zusätzlichen Rüstwechsel, Überstunden, Expressfrachten, Kundenfolgen. Diese Summe, umgelegt auf die damalige Ausfalldauer, ist ein brauchbarer Startwert — und ab dem nächsten Ausfall wird mitgeschrieben.

Wie oft sollte man die Stillstandskosten neu berechnen?

Einmal jährlich oder bei relevanten Änderungen: neuer Produktmix, verschobener Engpass, deutlich geänderte Auslastung. Die Zahl hängt stark an der Auslastung — in schwachen Zeiten sinkt der Deckungsbeitragsanteil, in voller Auslastung steigt er. Eine veraltete Zahl führt zu denselben Fehlentscheidungen wie gar keine.

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