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Unbesetzte Stelle: was kostet das wirklich?

Die Kosten einer unbesetzten Stelle tauchen in keiner Buchhaltung auf. Das Gehalt wird nicht gezahlt, also sieht die Zahl auf dem Papier nach Ersparnis aus. Tatsächlich läuft eine Vakanz jeden Monat als offener Posten mit, nur eben verteilt auf Konten, die niemand ihr zurechnet.

Schnellantwort

Eine unbesetzte Stelle kostet in der Regel deutlich mehr als das eingesparte Gehalt. In die Rechnung gehören vier Positionen: der entgangene Deckungsbeitrag der Rolle, die Mehrarbeit und Überstundenzuschläge der Kollegen, Verzögerungskosten bei Projekten und Lieferterminen sowie die Wiederbeschaffungskosten für Suche und Einarbeitung. Bei Engpassberufen in der Industrie dauern Vakanzen laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt deutlich länger als ein halbes Jahr. Wer die Monatskosten mit einer realistischen Vakanzdauer multipliziert, hat die Vergleichsgröße für jede Gegenmaßnahme — vom höheren Gehaltsangebot bis zur Teilautomatisierung.

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Warum „gespartes Gehalt" eine Illusion ist

Die Stelle existiert, weil die Arbeit existiert. Fällt die Person weg, fällt die Arbeit nicht weg — sie wird verschoben, verteilt oder gestrichen. Verschoben heißt: Liefertermine rutschen, Angebote gehen später raus, Maschinen stehen. Verteilt heißt: Kollegen machen Überstunden, mit Zuschlägen und steigender Fehlerquote. Gestrichen heißt: Aufträge, die man hätte annehmen können, gehen an den Wettbewerb. Alle drei Varianten kosten Geld, nur eben nicht auf dem Gehaltskonto.

Die vollständige Vakanzrechnung

Vier Positionen gehören hinein. Erstens der entgangene Deckungsbeitrag: Was erwirtschaftet diese Rolle pro Monat, direkt oder als Engpass für andere? Bei einem Zerspaner an einer ausgelasteten Maschine ist das der Deckungsbeitrag der Maschinenstunden, die jetzt nicht laufen. Zweitens die Mehrarbeit der anderen: Überstunden mit Zuschlag, plus die Arbeit, die bei denen liegen bleibt, die einspringen. Drittens die Verzögerungskosten: verschobene Projekte, verspätete Angebote, im schlimmsten Fall Vertragsstrafen. Viertens die Wiederbeschaffung: Anzeigen, Vermittler, Einarbeitung — je nach Rolle schnell ein mittlerer fünfstelliger Betrag.

Eine Vakanz ist kein gespartes Gehalt. Sie ist ein Kredit auf die Belastbarkeit der Mannschaft, und die Zinsen heißen Überstunden, Fehler und Kündigungen.

Wie lange der Zustand dauert

Wer die Monatskosten kennt, braucht noch die Laufzeit. Die Bundesagentur für Arbeit weist für Engpassberufe in Metall, Elektro und Mechatronik seit Jahren durchschnittliche Vakanzzeiten von deutlich über einem halben Jahr aus — Tendenz eher länger. Wer also mit sechs bis neun Monaten rechnet, rechnet nicht pessimistisch, sondern realistisch. Multipliziert mit den Monatskosten ergibt das die Summe, um die es tatsächlich geht.

Die Zahl ist kein Selbstzweck. Sie ist die Vergleichsgröße für jede Gegenmaßnahme: höheres Gehaltsangebot, Vermittlerhonorar, Zeitarbeit, Automatisierung eines Teils der Tätigkeit. Solange die Vakanz scheinbar nichts kostet, wirkt jede dieser Maßnahmen teuer. Sobald die echten Kosten auf dem Tisch liegen, dreht sich das Bild — und Entscheidungen, die seit Monaten aufgeschoben werden, sind plötzlich einfach.

Eine Vakanz ist kein gespartes Gehalt. Sie ist ein Kredit auf die Belastbarkeit der Mannschaft, und die Zinsen heißen Überstunden, Fehler und Kündigungen.

Häufige Fragen

Was kostet eine unbesetzte Stelle pro Monat?

Als grobe Faustregel liegen die Gesamtkosten einer Vakanz in produktiven Rollen in der Größenordnung des Monatsgehalts oder darüber — getrieben vom entgangenen Deckungsbeitrag, nicht von den Personalkosten. Die genaue Zahl hängt davon ab, ob die Rolle ein Engpass ist: Eine Vakanz an einer ausgelasteten Maschine kostet ein Vielfaches einer Vakanz in einer Rolle mit Puffer.

Wie lange bleiben Industriestellen im Schnitt unbesetzt?

Die Bundesagentur für Arbeit weist für Engpassberufe in Metall, Elektro und Mechatronik durchschnittliche Vakanzzeiten von deutlich über sechs Monaten aus. Für die eigene Planung ist ein Zeitraum von sechs bis neun Monaten eine realistische Annahme, in ländlichen Regionen eher länger.

Zählt das eingesparte Gehalt nicht gegen die Kosten?

Nur, wenn die Arbeit tatsächlich wegfällt — dann war die Stelle verzichtbar. In allen anderen Fällen wird die Arbeit verschoben, verteilt oder gestrichen, und jede dieser Varianten erzeugt Kosten: Verzögerungen, Überstundenzuschläge oder entgangene Aufträge. Das eingesparte Gehalt ist deshalb meist die kleinste Zahl in der Rechnung.

Was bringt mir die Vakanzrechnung konkret?

Eine Vergleichsgröße für Entscheidungen. Ob sich ein Vermittlerhonorar, ein höheres Gehaltsangebot oder die Automatisierung eines Teils der Tätigkeit lohnt, lässt sich nur beantworten, wenn die Kosten des Status quo beziffert sind. Ohne die Zahl wirkt jede Maßnahme teuer; mit ihr wird aus der Personalfrage eine Rechenaufgabe.

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