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Medienbrüche im Unternehmen: warum jeder Bruch Liegezeit erzeugt

Medienbrüche im Unternehmen erkennt man nicht an der Technik, sondern an den Wartezeiten. Ein Angebot kommt als PDF, wird in Excel nachgerechnet, per E-Mail freigegeben und ins ERP getippt. Vier Medien, drei Übergänge — und an jedem Übergang liegt der Vorgang, bis jemand Zeit hat.

Schnellantwort

Ein Medienbruch liegt vor, wenn Information Format oder System wechselt und ein Mensch den Wechsel ausführt — PDF nach Excel, Excel per E-Mail, E-Mail ins ERP. Teuer ist nicht das Abtippen, sondern die Liegezeit: In Verwaltungsprozessen entfallen erfahrungsgemäß über 90 Prozent der Durchlaufzeit auf Warten, und jeder Bruch fügt eine Warteschlange hinzu. Vor jedem Digitalprojekt sollte man einen konkreten Vorgang vom Eingang bis zum Abschluss verfolgen und jeden Formatwechsel mit Liegezeit notieren. Beseitigt wird nach Volumen mal Liegezeit mal Stundensatz — und ein Projekt, das die Zahl der Brüche nicht senkt, verschiebt sie nur.

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Was ein Medienbruch ist — und was nicht

Ein Medienbruch liegt vor, wenn eine Information das Format oder das System wechselt und ein Mensch den Wechsel ausführt: abtippen, kopieren, ausdrucken, einscannen, weiterleiten. Zwei Systeme mit funktionierender Schnittstelle sind kein Bruch. Ein PDF, dessen Inhalt jemand in eine Maske überträgt, ist einer — auch wenn beide Seiten digital sind. Digital heißt nicht bruchfrei.

Die Bearbeitungszeit ist nicht das Problem

Das Abtippen selbst dauert Minuten. Teuer ist die Liegezeit davor: Der Vorgang wartet im Postfach, im Ablagekorb, in der Liste der offenen Punkte, bis die zuständige Person dazu kommt. In vielen Verwaltungsprozessen entfallen erfahrungsgemäß über 90 Prozent der Durchlaufzeit auf Warten und unter 10 Prozent auf Bearbeitung. Jeder Bruch fügt eine weitere Wartestelle hinzu.

Ein Prozess mit vier Medienbrüchen hat vier Warteschlangen. Die Bearbeitung dauert Minuten, das Warten dauert Tage.

Brüche verstecken sich in Zuständigkeiten

Der typische Bruch liegt genau an einer Abteilungsgrenze: Vertrieb an Auftragsabwicklung, Wareneingang an Buchhaltung, Technik an Einkauf. Dort wechselt nicht nur das Medium, sondern auch die Verantwortung — und niemand fühlt sich für den Übergang selbst zuständig. Deshalb tauchen Medienbrüche in keinem Organigramm und keiner Prozessbeschreibung auf. Sie stehen zwischen den Kästchen.

Kartieren vor jedem Digitalprojekt

Bevor ein Werkzeug angeschafft wird, lohnt eine einfache Übung: einen konkreten Vorgang — eine Bestellung, eine Reklamation, eine Rechnung — vom Eingang bis zum Abschluss verfolgen und jeden Formatwechsel notieren. Wer trägt was wohin, wie lange liegt es davor? Das Ergebnis ist eine Karte mit Zeitangaben. Sie passt meist auf eine Seite und ist aussagekräftiger als jede Anbieterpräsentation.

Nicht jeder Bruch muss weg

Ein Bruch, durch den drei Vorgänge im Monat laufen, darf bleiben. Ein Bruch, durch den dreißig am Tag laufen, ist ein Kandidat. Die Reihenfolge ergibt sich aus Volumen mal Liegezeit mal Stundensatz. Häufig verschwinden mit dem ersten beseitigten Bruch zwei weitere gleich mit, weil sie nur existierten, um den ersten zu verwalten — die Erinnerungs-E-Mail, die Kontrollliste, der wöchentliche Abstimmungstermin.

Der Maßstab für jedes Projekt danach

Ein Digitalprojekt, das die Zahl der Brüche in einem Prozess nicht senkt, verschiebt sie nur. Das ist der einfachste Prüfstein für jede geplante Anschaffung: Wie viele manuelle Übergänge hat der Prozess vorher, wie viele nachher? Wenn die Antwort gleich lautet, wird das Projekt Liegezeiten nicht verkürzen.

Ein Prozess mit vier Medienbrüchen hat vier Warteschlangen. Die Bearbeitung dauert Minuten, das Warten dauert Tage.

Häufige Fragen

Was ist ein Medienbruch, einfach erklärt?

Ein Wechsel des Formats oder Systems, den ein Mensch von Hand ausführt: ein PDF abtippen, eine Excel-Tabelle per E-Mail weiterreichen, einen Ausdruck wieder einscannen. Entscheidend ist der manuelle Übergang, nicht das Medium — auch zwischen zwei digitalen Systemen ohne Schnittstelle liegt ein Medienbruch.

Warum verlängern Medienbrüche die Durchlaufzeit so stark?

Weil an jedem Bruch der Vorgang liegen bleibt, bis die zuständige Person Zeit hat. Die Bearbeitung selbst dauert Minuten, das Warten davor Stunden bis Tage. In Verwaltungsprozessen entfällt erfahrungsgemäß der weit überwiegende Teil der Durchlaufzeit auf Liegezeit, nicht auf Arbeit.

Wie findet man die Medienbrüche im eigenen Unternehmen?

Einen konkreten Vorgang vom Eingang bis zum Abschluss verfolgen und jeden Formatwechsel notieren: Wer überträgt was wohin, wie lange liegt es vorher? Die Brüche sitzen fast immer an Abteilungsgrenzen, wo mit dem Medium auch die Zuständigkeit wechselt. Eine solche Karte ist an einem Nachmittag erstellt.

Muss man alle Medienbrüche beseitigen?

Nein. Ein Bruch mit drei Vorgängen im Monat darf bleiben, einer mit dreißig am Tag nicht. Priorisiert wird nach Volumen, Liegezeit und Stundensatz. Oft entfallen mit dem ersten beseitigten Bruch weitere Tätigkeiten, die nur zu seiner Verwaltung existierten — Erinnerungen, Kontrolllisten, Abstimmungsrunden.

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