Wasserverbrauch nach ESRS E3: Warum die Wasserbilanz oft der schwächste Punkt im Bericht ist
CO2-Kennzahlen stehen im Mittelpunkt der meisten ESG-Debatten, doch ESRS E3 verlangt genauso detaillierte Angaben zum Wasserverbrauch. Wer bislang nur die Jahresrechnung des Wasserversorgers als Datenquelle hat, steht bei der Berichtspflicht vor einer Lücke, die sich nicht mit Schätzungen schließen lässt.
Warum Wasserdaten in der ESRS-Berichtspflicht oft der schwächste Punkt sind
Anders als beim Energieverbrauch gibt es in vielen Industriebetrieben keine zentrale, digitale Erfassung des Wasserverbrauchs je Prozessschritt. Kühlwasser, Prozesswasser und Sanitärwasser laufen häufig über denselben Zähler, sodass sich der eigentliche produktionsbedingte Verbrauch nur schätzen lässt. Bei mehreren Standorten kommt hinzu, dass jeder Standort seine eigene Zählerablesung und Dokumentationspraxis hat, was eine konsolidierte Kennzahl auf Konzernebene erschwert.
Für Standorte in wasserarmen Regionen verlangt ESRS E3 zusätzlich eine Einordnung nach Wasserstressgebieten, meist auf Basis anerkannter Tools wie dem WRI Aqueduct Water Risk Atlas. Das bedeutet, dass reine Verbrauchszahlen allein nicht ausreichen, sondern mit einer geografischen Risikoeinschätzung verknüpft werden müssen.
Was ESRS E3 an Detailtiefe verlangt
Der Standard fordert Angaben zu Wasserentnahme, Wasserverbrauch und Wassereinleitung je Standort, differenziert nach Süßwasser und anderen Wasserquellen. Zusätzlich müssen Unternehmen mit erheblichen Wasserrisiken einen standortbezogenen Aktionsplan darlegen, was ohne granulare Ausgangsdaten kaum glaubwürdig zu formulieren ist.
- Zählerdaten je Standort statt einer konsolidierten Jahresrechnung
- Trennung von Kühl-, Prozess- und Sanitärwasser wo technisch möglich
- Verknüpfung mit anerkannten Wasserstress-Datenbanken je Standort
- Automatisierte Aggregation über alle Standorte zur Konzernkennzahl
Von Zählerstand zu Kennzahl ohne Medienbruch
Wo Zählerdaten bereits digital vorliegen, etwa über bestehende Sensorik in der Produktion, lassen sie sich automatisiert auslesen und direkt den ESRS-Datenpunkten zuordnen, statt manuell aus Papierprotokollen übertragen zu werden. Wie sich Sensordaten aus der Fertigung generell strukturiert nutzen lassen, zeigt unser Bereich Robotics. Die vollständige Liste der dafür relevanten Datenpunkte finden Sie in ESRS-Datenpunkte verstehen und erfassen.
Häufige Fragen
Müssen alle Unternehmen Wasserdaten nach ESRS E3 berichten?
Nur wenn die doppelte Wesentlichkeitsanalyse Wasser als wesentliches Thema identifiziert, was bei wasserintensiven Prozessen fast immer der Fall ist.
Reichen Schätzwerte für die erste Berichtsperiode?
Für den Einstieg sind begründete Schätzungen akzeptiert, sie müssen aber klar als solche gekennzeichnet und im Zeitverlauf durch Messwerte ersetzt werden.
Kennen Sie Ihren Wasserverbrauch je Standort genau?
Der ESG-Check zeigt, wo Ihre Wasserdaten für ESRS E3 noch lückenhaft sind.
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