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Softwarearchäologie: Wie KI ein Altsystem in zehn Tagen kartiert

„Ändern dauert bei uns sechs Monate. Auch Kleinigkeiten." Der Satz beschreibt kein technisches Problem, er beschreibt verschwundenes Wissen: Niemand kann mit Sicherheit sagen, was an einer Änderung sonst noch hängt. Softwarearchäologie dreht die Reihenfolge um. Erst wird das System ausgegraben und kartiert, dann wird entschieden. Wie das in zehn Tagen geht, welche vier Schichten die Karte hat und was am Ende auf dem Tisch liegt.

Schnellantwort

Softwarearchäologie kartiert ein Altsystem in zehn Tagen aus Quellcode, Datenbankschemata, Logs und Tickets. Die Karte hat vier Schichten: Betrieb (was wirklich läuft), Schnittstellen (wer liest und schreibt), Datenmodell (Schemata und stille Konventionen) und Regeln im Code (Fachlogik mit Fundstelle). Ein Sprachmodell liest die Mengen, Fachbereich und IT bestätigen jede Aussage. Am Ende steht ein Befund mit Risiko-Analyse und Modernisierungspfad in Modulen, ohne Stichtag, inklusive der Option, bewusst so zu lassen.

Byte · EngineeringEngineeringByte10 Tage

Warum ein Altsystem ausgegraben wird statt dokumentiert

Die Dokumentation eines gewachsenen Systems beschreibt einen Stand von früher. Sie ist gefährlicher als keine Dokumentation, weil man ihr noch glaubt. Die Wahrheit über das System steht an anderen Orten: im Quellcode mit seinen Sonderfällen, in den Datenbankschemata mit ihren stillen Konventionen, in den Logs, die zeigen, welche Funktionen wirklich benutzt werden, und in den Tickets, die zeigen, wo es seit Jahren klemmt. Diese Mengen liest kein Team in Workshops durch. Ein Sprachmodell liest sie in Tagen, und Menschen bewerten, was dabei herauskommt. Was KI beim Verstehen von Altcode wirklich leistet und wo sie überschätzt wird, ordnet KI und Legacy-Code ein.

Welche vier Schichten die Karte hat?

SOFTWAREARCHÄOLOGIE · VIER SCHICHTENSCHICHT 1BetriebLogs, Tickets, Laufzeitdaten: was wirklich benutzt wirdSCHICHT 2SchnittstellenWer liest, wer schreibt, wer hängt daranSCHICHT 3DatenmodellSchemata, Fremdschlüssel, stille KonventionenSCHICHT 4Regeln im CodeFachlogik, Sonderfälle, DatumsgrenzenQuelle: skillbyte, Legacy Discovery, Stand 09/2026

Schicht eins, Betrieb. Bevor jemand Code liest, zeigen Logs und Laufzeitdaten, was das System tatsächlich tut: welche Module täglich laufen, welche seit Jahren nicht mehr aufgerufen wurden, welche Jobs nachts die Last erzeugen. In fast jedem Altsystem, das wir kartiert haben, war ein erheblicher Teil des Codes tot, und die Angst vor genau diesem Teil hat Änderungen jahrelang gebremst.

Schicht zwei, Schnittstellen. Wer liest aus dem System, wer schreibt hinein, welche Exporte landen bei welchem Nachbarsystem? Die Antwort steht in Konfigurationen, Cron-Tabellen, Dateiablagen und im Netzwerkverkehr. Diese Schicht entscheidet über die Modernisierung: Ein Modul mit drei Lesern und keinem Schreiber ist leicht zu lösen, eines mit zwölf Schreibern ist ein Herzstück.

Schicht drei, Datenmodell. Schemata, Fremdschlüssel, aber vor allem die Konventionen, die nirgends stehen: Das Feld „Status 7" bedeutet storniert, aber nur vor 2016; die Kundennummer mit führender Null ist ein Altkunde aus der Übernahme. Solche Regeln findet das Modell, indem es Code und Daten gegeneinander liest, und der Fachbereich bestätigt oder verwirft sie.

Schicht vier, Regeln im Code. Die Fachlogik: Rabattstaffeln, Freigabegrenzen, Datumsgrenzen, Sonderfälle für einzelne Kunden. Das ist das Wissen, das bei einem Neubau verloren ginge. Es wird als Liste von Regeln mit Fundstelle im Code extrahiert, in der Sprache des Fachbereichs, und dort geprüft.

Wie zehn Tage ablaufen

  • Tag 1 bis 2: Lesezugriff auf Repository, Datenbank, Logs und Ticketsystem. Das Modell liest, das Team stellt Fragen: Was läuft, was nicht, wer hängt daran.
  • Tag 3 bis 6: Die vier Schichten entstehen als Karte. Jede Aussage trägt eine Fundstelle. Der Fachbereich bestätigt Regeln, die IT bestätigt Schnittstellen.
  • Tag 7 bis 8: Risiko-Analyse: Wo würde eine Änderung etwas anderes mitreißen, wo ist Wissen an eine Person gebunden, wo läuft Code, den niemand erklären kann.
  • Tag 9 bis 10: Modernisierungspfad in Modulen, mit Reihenfolge, Rückfallweg und der ehrlichen Alternative: bewusst so lassen, drei Stellen absichern.

Am Ende liegt ein Befund auf dem Tisch, kein Angebot für ein Großprojekt. Manchmal lautet er: so lassen. Häufiger lautet er: diese drei Module zuerst, in dieser Reihenfolge, ohne Stichtag. Warum ein Stichtag für alles eine Wette ist, steht in Legacy-Dokumentation, die nicht veraltet.

Eine Neuentwicklung ist die teuerste Art, dasselbe Nichtwissen noch einmal zu produzieren.

Was mit dem Wissen von Herrn K. passiert

Der häufigste Satz nach den sechs Monaten lautet: „Herr K. weiß das. Der ist aber nächstes Jahr weg." Die Karte holt sein Wissen aus dem Kopf in ein Dokument, das seinen Renteneintritt überlebt: Die Regeln im Code stehen mit Fundstelle da, die Konventionen im Datenmodell sind benannt, die Schnittstellen sind gezählt. Herr K. wird in den zehn Tagen nicht ersetzt, er wird zum wichtigsten Prüfer der Karte. Wie das bei einem Mainframe-System aussieht, zeigt COBOL-Nachfolge: Wissen sichern.

Was die Archäologie nicht leistet

Die Archäologie liefert die Karte, mit der Modernisierung planbar wird; modernisiert wird danach. Und sie ist nach zehn Tagen so gut wie die Quellen, die sie lesen durfte: Ein System ohne Logs zeigt seine Schicht eins nicht. Sie ersetzt auch nicht die Entscheidung. Ob ein Modul abgelöst, gekapselt oder bewusst belassen wird, entscheidet der Betrieb mit der Karte in der Hand. Und Regeln, die nur im Kopf standen und nie im Code, findet sie nicht. Dafür bleibt das Gespräch mit Herrn K., nur diesmal mit einer Karte, an der man entlang fragen kann.

Erst verstehen, dann anfassen. Nach zehn Tagen liegt eine Karte auf dem Tisch, und Modernisierung wird von einer Wette zu einer Reihenfolge.

Häufige Fragen

Was ist Softwarearchäologie?

Das systematische Ausgraben eines gewachsenen Systems aus seinen echten Spuren: Code, Schemata, Logs, Tickets. Ziel ist eine Karte mit Fundstellen statt einer Dokumentation, die einen alten Stand beschreibt.

Wie lange dauert eine Legacy Discovery?

Zehn Tage für ein System, zum Festpreis, abhängig von Umfang und Zahl der Systeme. Voraussetzung ist Lesezugriff auf Repository, Datenbank, Logs und Ticketsystem.

Muss das Altsystem danach neu gebaut werden?

Nein. Der Befund kann lauten: so lassen und drei Stellen absichern. Wo modernisiert wird, geschieht das Modul für Modul mit Rückfallweg, ohne Stichtag für alles.

Was passiert mit dem Wissen von Mitarbeitern, die bald gehen?

Regeln, Konventionen und Schnittstellen stehen nach den zehn Tagen mit Fundstelle in der Karte. Der erfahrene Kollege wird dabei zum wichtigsten Prüfer, und sein Wissen überlebt seinen Austritt.

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