Physische und transitorische Klimarisiken für den eigenen Standort einschätzen
Klimarisiko klingt abstrakt, bis man es in zwei konkrete Fragen aufteilt: Was passiert physisch mit Ihrem Standort durch Hitze, Starkregen oder Wasserknappheit, und was verändert sich wirtschaftlich durch CO2-Preise, neue Vorschriften und veränderte Kundenanforderungen. Beide Fragen gehören zur CSRD-Berichterstattung, verlangen aber unterschiedliche Antworten.
Zwei Risikoarten, ein Berichtsrahmen
Physische Klimarisiken betreffen die direkte Auswirkung von Wetterextremen auf Standorte, Anlagen und Lieferketten: Überflutungsgefahr an einem Flussstandort, Hitzestress für Maschinen ohne ausreichende Kühlung, Wasserknappheit für wasserintensive Prozesse. Transitorische Risiken entstehen dagegen durch den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft: steigende CO2-Preise, neue regulatorische Anforderungen, oder Kunden, die zunehmend emissionsarme Lieferanten bevorzugen.
Viele Unternehmen vermischen beide Betrachtungen oder beschränken sich auf eine grobe, wenig belastbare Einschätzung. Für die CSRD-Berichterstattung braucht es jedoch eine nachvollziehbare, standortbezogene Analyse beider Risikoarten.
Wie eine pragmatische Einschätzung aussieht
Für physische Risiken bewährt sich ein standortbezogener Blick auf öffentlich verfügbare Klimaszenarien und Risikokarten, kombiniert mit der eigenen Kenntnis kritischer Anlagen und Prozesse. Für transitorische Risiken hilft eine Betrachtung der eigenen Emissionsintensität im Vergleich zum Wettbewerb und der regulatorischen Entwicklung in den relevanten Märkten.
- Physische Risiken je Standort anhand öffentlicher Klimaszenarien grob einordnen
- Kritische Anlagen und Prozesse identifizieren, die besonders wetterempfindlich sind
- Transitorische Risiken aus CO2-Preisentwicklung und Kundenanforderungen ableiten
- Beide Risikoarten mit konkreten, plausiblen Zeithorizonten versehen, nicht nur allgemein benennen
Der Zusammenhang mit der Wesentlichkeitsanalyse
Klimarisiken fließen direkt in die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ein und beeinflussen, welche ESRS-Datenpunkte für Sie überhaupt relevant werden. Wie diese Analyse grundsätzlich funktioniert, erklärt unser Beitrag Doppelte Wesentlichkeit einfach erklärt, die Emissionsseite vertieft Scope-3-Emissionen berechnen.
Eine erste, grobe Einschätzung ist besser als keine. Wichtig ist, den Weg zur Einschätzung nachvollziehbar zu dokumentieren, damit sie im nächsten Berichtsjahr verfeinert werden kann, statt jedes Mal neu zu beginnen.
Häufige Fragen
Brauchen wir dafür externe Klimaexperten?
Für die erste Einschätzung reichen oft öffentlich verfügbare Klimaszenarien und internes Wissen über kritische Standorte und Prozesse. Bei komplexeren Standorten kann externe Expertise sinnvoll sein.
Wie oft muss die Einschätzung aktualisiert werden?
In der Regel jährlich im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse, mit einer tieferen Überarbeitung, sobald sich Standorte, Prozesse oder regulatorisches Umfeld wesentlich ändern.
Wie gut können Sie Ihre Klimarisiken heute belegen?
Der ESG-Datencheck zeigt, wo Ihre Wesentlichkeitsanalyse heute Lücken hat.
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