Produktion

Planungsstabilität messen: Der KPI, den die wenigsten Betriebe tracken

09.07.2026 · 7 Min · Masiar Ighani · CEO

Ein Betrieb kann 92 Prozent Liefertreue melden und trotzdem jede Woche in Ausnahmezustand geraten, weil hinter dieser Zahl unzählige Umplanungen, Überstunden und Eilaufträge stecken. Wer nur OTD misst, sieht das Ergebnis, aber nicht den Preis, der dafür bezahlt wurde.

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Warum OTD allein nicht zeigt, wie gut die Planung wirklich ist

Die Liefertreue-Quote misst, ob ein Auftrag am Ende pünktlich ausgeliefert wurde, nicht, wie oft der Plan bis dahin umgeworfen werden musste. Ein Auftrag, der einmal geplant und ohne Änderung produziert wird, zählt in der OTD-Statistik genauso wie einer, der sechsmal umdisponiert wurde, bevor er es doch noch pünktlich schaffte.

In der Praxis erlebt man häufig eine OTD von über 90 Prozent bei einer tatsächlichen Planungstreue, dem Anteil der Aufträge, die auf dem ursprünglich geplanten Maschinen- und Zeitslot ohne Umplanung liefen, von deutlich unter 60 Prozent. Der Unterschied wird bezahlt, in Überstunden, Eilzuschlägen und Stress im Team, nur eben unsichtbar in der klassischen Kennzahl.

Eine gute OTD-Quote kann eine chaotische Planung verstecken, sie zeigt nur nicht, was das kostet.

Wie sich Planungsstabilität sauber berechnen lässt

Die Kennzahl braucht wenig: für jeden Auftrag den ursprünglich geplanten Start- und Endtermin, den tatsächlichen Start- und Endtermin sowie die Anzahl der Umplanungen dazwischen. Planungsstabilität ist dann der Anteil der Aufträge, die innerhalb eines definierten Toleranzfensters ohne Umplanung durchliefen, gemessen über einen rollierenden Zeitraum von mehreren Wochen.

Sinkt dieser Wert, lohnt sich der Blick auf die Ursachen: zu viele kurzfristige Eilaufträge, unzuverlässige Materialverfügbarkeit oder eine zu optimistische Kapazitätsannahme aus der Grobplanung, ein Zusammenhang, der auch in Vom Bauchgefühl zur datengetriebenen Produktionsplanung beschrieben wird.

  • Ursprünglich geplanter Start- und Endtermin je Auftrag
  • Anzahl der Umplanungen bis zur tatsächlichen Fertigstellung
  • Kategorisierter Grund jeder Umplanung
  • Tatsächlicher Fertigstellungstermin im Vergleich zum Plan

Was ein niedriger Wert wirklich bedeutet

Eine niedrige Planungsstabilität bedeutet nicht automatisch schlechte Arbeit der Planer, oft spiegelt sie reale Nachfrage- oder Lieferantenvolatilität, die eine gezielte Pufferstrategie braucht statt Schuldzuweisung. Entscheidend ist, die Kennzahl neben der Liefertreue zu etablieren, wie es auch in Liefertreue systematisch steigern empfohlen wird.

OTD zeigt das Ergebnis, Planungsstabilität zeigt den Preis, der dafür bezahlt wurde.

Häufige Fragen

Welcher Wert gilt als gute Planungsstabilität?

Das ist branchenabhängig, viele stabil laufende Betriebe erreichen 75 bis 85 Prozent, entscheidend ist der eigene Trend über Zeit.

Muss diese Kennzahl manuell erhoben werden?

Nein, sie lässt sich aus vorhandenen Plan- und Ist-Terminen im ERP oder Planungssystem automatisiert berechnen.

Wie stabil ist Ihre Planung wirklich?

Der Planungs-Check ermittelt Ihre aktuelle Planungsstabilität anhand realer Auftragsdaten.

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